Das Penthouse wirkte wie eine Festung. Glas, Stahl, Marmor, Stille. Ein Ort, der Schwäche nicht duldete und es auch nicht nötig hatte.
Grace, meine neue Stabschefin, empfing mich drinnen und überreichte mir einen Kleidersack.
„General Sterling gibt um acht Uhr ein Abendessen“, sagte sie. „Das sollten Sie sich nicht entgehen lassen.“
Darin befand sich ein maßgeschneidertes, mitternachtsblaues Kleid. Klare Linien. Keine Weichheit. Es wirkte weniger wie Abendgarderobe, sondern eher wie eine Warnung.
Dann übergab sie mir die Gästeliste.
Ich las die Nachnamen und hörte auf.
Robert und Eleanor Hayes.
Chloe und Julian Phillips.
Ich schaute auf. „Er hat sie eingeladen?“
Grace nickte. „General Sterling ist der Ansicht, dass manche Lektionen Zeugen erfordern.“
Punkt acht Uhr öffnete sich der private Aufzug.
Meine Familie betrat mein neues Zuhause, als wären sie im falschen Land.
Meine Mutter versuchte zuerst, sich zu erholen. „Clara –“
„Setz dich“, sagte ich.
Sie saßen da.
General Sterling leitete das Abendessen wie ein Richter vor einem Tribunal. Führungskräfte der Verteidigungsindustrie. Beschaffungsbeamte des Pentagons. Vorstandsmitglieder. Echte Macht. Echtes Geld. Keine Luxuswelt.
Julian versuchte, trotz allem zu lächeln. Chloe berührte immer wieder ihr Glas, trank aber nichts. Mein Vater betrachtete das Silberbesteck, als könnte es ihn anklagen.
Dann wandte sich einer der Männer vom Pentagon an meine Eltern und sagte: „Sie müssen stolz sein. Jemanden großgezogen zu haben, der ein System aufgebaut hat, das Tausende von Soldaten retten wird.“
Meine Mutter nickte zu schnell. „Wir haben sie immer unterstützt.“
Ich legte meine Gabel hin.
Es wurde still im Raum.
„Wirklich?“, fragte ich.
Mein Vater starrte mich an.
Ich fuhr fort: „Gestern hast du deine schwangere Tochter in einer eiskalten Garage schlafen lassen, weil deine andere Tochter ihr Zimmer wollte.“
Niemand am Tisch rührte sich.
Chloe fing an. „Du übertreibst.“
General Sterling warf ihr nicht einmal einen Blick zu. „Ms. Phillips“, sagte er, „Sie sollten Ihre Kräfte schonen.“
Dann wandte er sich an Julian.
„Ihr Arbeitsverhältnis bei Apex Dynamics“, sagte er gelassen, „wurde beendet.“
Julian blinzelte. „Was?“
„Apex wurde heute Nachmittag übernommen.“