Meine Klassenkameraden machten sich über das Ballkleid lustig, das ich aus den Hemden meines verstorbenen Vaters genäht hatte – bis der Schulleiter die Geschichte dahinter erzählte.
Der Verlust ihres Vaters nur wenige Monate vor dem Abschlussball hinterließ bei Nicole das Gefühl, als sei die Welt plötzlich viel zu still geworden. Seit ihrer Kindheit waren sie immer nur zu zweit gewesen. Ihre Mutter war bei Nicoles Geburt gestorben, und ihr Vater, Johnny, widmete ihr sein ganzes Leben lang liebevolle, geduldige und würdevolle Erziehung. Er arbeitete als Hausmeister an der Schule, ein Job, auf den viele Schüler herabsahen, und Nicole hörte deswegen oft verletzende Gerüchte auf den Fluren. Doch Johnny ließ niemals Bitterkeit in ihr Zuhause einziehen. Er erinnerte sie daran, dass ehrliche Arbeit Ehre bringt, und lehrte sie, dass Menschen, die andere herabsetzen, nur ihre eigene Schwäche offenbaren. Trotz aller Schwierigkeiten bewunderte Nicole ihn sehr und träumte davon, ihn eines Tages stolz zu machen.
Als Johnny schwer erkrankte, arbeitete er so lange er konnte. Selbst in den schwersten Zeiten sprach er voller Vorfreude von einem besonderen Moment, den er noch erleben wollte: Nicoles Abschlussball. Er wünschte sich, sie wunderschön gekleidet und voller Selbstvertrauen lächeln zu sehen, wenn sie ins Erwachsenenleben eintrat. Leider verstarb er, bevor dieser Tag kam. Nach der Beerdigung zog Nicole zu ihrer Tante und hatte Mühe, den Feierlichkeiten, die ihr einst so wichtig gewesen waren, wieder einen Sinn zu geben. Während ihre Klassenkameraden von teuren Kleidern und glamourösen Plänen sprachen, suchte sie im Stillen nach einer Möglichkeit, ihren Vater in diesem wichtigen Lebensabschnitt, auf den sie beide so lange gewartet hatten, in ihrem Herzen zu bewahren.