Ich war gerade dabei, den Müll rauszubringen, als ich hinter Davids Zaun einen lauten Knall hörte.
Dann rief jemand:
„Plan Rot!“
Alle Kinder bewegten sich sofort.
Ich schaute durch eine Lücke im Zaun.
David war auf der Terrasse.
Emma war bereits neben ihm.
Ein Kind rief den Notruf.
Ein anderer öffnete ein Plastiketui, das medizinische Dokumente, Informationen zu Medikamenten, Versicherungskarten und Notfallanweisungen enthielt.
Ein anderer öffnete das Eingangstor.
Die jüngsten Kinder blieben genau dort stehen, wo sie es gelernt hatten.
Ben hatte Tränen in den Augen, aber er rührte sich nicht.
Niemand fragte, was zu tun sei.
Das wussten sie bereits.
Ich kletterte über den Zaun und eilte auf sie zu.
Als die Sanitäter eintrafen, sah einer von ihnen Emma an.
„Hast du das schon einmal gemacht?“
Sie nickte.
“Dreimal.”
Dann sagte der Sanitäter fast zu sich selbst:
„Dein Vater hat dich dafür ausgebildet.“
Emma schluckte.
„Er hat uns für danach trainiert.“
Diese Worte brachten mich zum Schweigen.
Als David abgeführt wurde, glitt Emma ihre Krankenakte aus den Händen.
Ich bückte mich, um beim Zusammensammeln der Seiten zu helfen.
Auf einem Blatt stand:
Notfallplan für sieben abhängige Kinder.
Eine weitere aufgeführte Behandlungsmethode.
Dann sah ich die Diagnose.
David litt an fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs.
Die Diagnose war neun Monate zuvor gestellt worden.
Ich starrte Emma an.
Plötzlich ergab jeder Pfiff, jede Hausarbeit, jedes Notizbuch, jede Notfallübung einen Sinn.
„All das Training…“, flüsterte ich.
Emma nickte.